Expertengespräch zu wasserwirtschaftlichen Daten zum Extremhochwasser

Will man Vorranggebiete für die Hochwasservorsorge im Regionalplan künftig nach der Gefahrenintensität bei einem Extremhochwasser abgrenzen, so stellt das andere Anforderungen an die wasserwirtschaftlichen Datengrundlagen, als es bisher der Fall ist. Um praktikable Möglichkeiten zur Datenbereitstellung zu erkunden, fand am 21.2.2013 in Radebeul ein KLIMAfit-Expertengespräch statt.

Teilgenommen haben Vertreter von Landestalsperrenverwaltung Sachsen, Landesdirektion Sachsen, des Landeshochwasserzentrums beim Sächsischen Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie sowie des Regionalen Planungsverbandes Oberes Elbtal/Osterzgebirge. Ergänzend wurde die Bundesanstalt für Gewässerkunde in Koblenz telefonisch befragt.

Um nicht immer wieder ein folgenschweres Restrisiko in der Planung unberücksichtigt zu lassen, wären Festlegungen anhand des größten wahrscheinlichen Hochwassers (probable maximum flood, PMF), also des unter den herrschenden klimatischen Verhältnissen physikalisch maximal möglichen Ereignisses, eine schlüssige Grundlage für die Regionalplanung.

Im Ergebnis der Besprechung wurde festgestellt, dass die Bestimmung von Überschwemmungsbereichen für das größte wahrscheinliche Hochwasser zwar theoretisch für alle größeren Fließgewässer nach einer einheitlichen Methodik möglich wäre, dass sich damit aber der Aufwand für die Ermittlung von Überschwemmungsflächen gegenüber dem heute üblichen Standard vervielfachen würde. Darüber hinaus ist die Verlässlichkeit von PMF-Daten auch umstritten. Daher können in absehbarer Zeit keine solchen Daten zur Verfügung gestellt werden.

In ähnlicher Weise stößt die Bestimmung von Überschwemmungsbereichen mit einem für alle Fließgewässer der Region einheitlichen Wiederkehrintervall von mindestens HQ 500 an finanzielle Grenzen. Bisher hat die Regionalplanung nur inhomogene Daten zur Verfügung, mitunter als “Extremereignis” nur ein HQ 200, was unter den Gesichtspunkten der Vorsorge und einer einheitlichen Herangehensweise in der Region unbefriedigend ist.

Die Alternative, Überschwemmungsbereiche anhand der Auelehmverbreitung kostengünstig zu bestimmen, erwies sich ebenfalls als ungeeignet, weil sie nur den Bereich häufiger Überschwemmungen umfasst und nicht den des größtmöglichen Hochwassers. Außerdem fehlen dann die gewünschten Daten zur Gefahrenintensität. Darüber hinaus bestehen auch fachliche Bedenken hinsichtlich der Zuverlässigkeit der geologischen Daten, da die Aueböden vom Menschen stark verändert wurden. Somit sind sie als Grundlage für Festlegungen mit dem Anspruch der Rechtssicherheit nicht zu empfehlen.

Daher müssen auch bei der nächsten Regionalplanfortschreibung inhomogene Daten genutzt werden, bei denen an den verschiedenen Fließgewässern den Extremereignissen unterschiedliche Wiederkehrintervalle zugeordnet sind.

Letzte Aktualisierung: 17. Mai 2013